Telekom-Blog #1: Arbeitsteilung von morgen im Coworking Space „Heimat 2.0“

Im ersten Stock befindet sich das "Heimat 2.0" (Image: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)
Im ersten Stock befindet sich das „Heimat 2.0“ (Image: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)

Von der Marktstraße in Bad Tölz schaut man über die Isar und blickt auf die Alpen; man ist umgeben von mittelalterlichen Bürgerhäusern. Ein oberbayerisches Kleinod, rund 50 Kilometer südlich von München. Hier, in einem alten Brauhaus aus dem 16. Jahrhundert, befindet sich das Coworking Space “Heimat 2.0”. Denn die Zukunft der Arbeit wird nicht allein im Silicon Valley oder den Metropolen dieser Welt entdeckt. Auch in der Provinz wird der Wandel mitgestaltet.

Telekom-Blog #1: Arbeitsteilung von morgen im Coworking Space „Heimat 2.0“ weiterlesen

Was sich auch als Coworking Space bezeichnet: Studio Delta Leipzig

Nicht alles lief glatt, als wir in Leipzig waren. An einem Tag wollte scheinbar nichts gelingen. Nach einem Besuch beim Online-Radiosender Detektor.fm wollten Kati und ich bei Chaos Coworking den Tag verbringen. Doch eine halbe Stunde bevor wir ankamen, durchtrennte ein Bagger auf einer Baustelle im Viertel die Leitungen. Das Coworking Space war offline.

Nach einem Mittagsessen in der Kantine beim Coworking Space Raumstation , wo wir am Vortag schon waren, entschlossen wir uns weiter zu suchen. Unsere Alternative: ein Rockzipfel genanntes Coworking Space für Eltern mit Kindern. Doch das war mitten in der Sommerpause und schickte uns wieder weg. Letztendlich fanden wir im Leipziger Coworking Space Studio Delta zwei freie Plätze an einem Gemeinschaftstisch im Flur.

Vor Ort konnte uns zuerst niemand helfen, denn die verschiedenen Dauermieter in diesem Coworking Space kannten sich untereinander überhaupt nicht. Wer hier etwas zu sagen hat, war nicht klar. Telefonisch erreichten wir dann die Betreiberin, die uns die Erlaubnis gab, am Gemeinschaftstisch im Flur zu arbeiten. Offensichtlich ist dieses Coworking Space nicht auf Tagesgäste vorbereitet, für den halben Tag mussten wir allerdings auch nichts zahlen.

Der Flur ist das Zentrum des Coworking Space, weshalb wir hier sehr schnell einen Eindruck bekamen, wie es im Studio Delta zu geht. Wie schon gesagt, niemand kannte sich und es grüßte sich auch niemand. Aus einem Raum hörten wir nur ein lautes Geschnarche. Dieser unpersönliche Ort ist alles andere als ein Coworking Space, viel mehr eine Etage voller einzelt vermieteter Büros. Hier werden wir nicht noch einmal versuchen zu arbeiten.

Unser Geheimtipp: Einen großen Bogen um diese Bürogemeinschaft machen und gleich zur Raumstation gehen.

Ein abgehobenes Coworking Space in Leipzig: Raumstation

Ausstieg S-Bahnstation Lindenau in Leipzig. Das erste Gefühl: nicht sehr einladend hier. Alles wirkt ein wenig verschlafen und in die Jahre gekommen. Nach einem kurzen Spaziergang, vorbei an leeren Gartenlauben und grauen Altbauwohnungen, stehen wir vor einem Fabrikgebäude. Dem alten Tapetenwerk in der Lütznerstraße. Heute sind wir wegen dem Coworking Space Raumstation hier.

Die beiden engagierten Köpfe hinter dem Coworking Space sind Jeanie Böger und Martina Ecklebe. Sie schaffen es, dass sich Coworking in der Raumstation nicht wie ein reines Geschäftsmodell anfühlt, sondern wie die wahr gewordene Philosophie des Miteinanders. Es herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre und unkompliziert ist hier nicht nur das Arbeiten im gemeinsam genutzten Space, sondern auch das gemeinsame Pause machen.

Wenn sich der Hunger langsam bemerkbar macht, ergreift irgendwann jemand von den Coworkern die Initiative und ruft unverbindlich „Essen?“ in den Raum. Wer möchte, schließt sich der Gruppe an. Bevorzugt wird hier die Kantine3, direkt auf dem Gelände des Tapetenwerks. Zurecht, da es uns dort menschlich wie auch kulinarisch so gut gefallen hat, verbrachten wir ein Tag später unsere gemeinsame Mittagspause erneut hier. Und es hat(te) sich wieder einmal gelohnt.

Die Preise in der Raumstation sind sogar für den Raum Leipzig angenehm niedrig. Mit unseren Preiserfahrungen aus Städten wie München, Hamburg oder Berlin wirkt es geradezu wie ein Schnäppchen. Die Tagesmiete liegt bei 14 Euro, Studierende zahlen für ein sogenannten FlexDesk 10 Euro. Der Service der beiden Betreiberinnen lässt keinen Wunsch übrig: flexibel einsetzbare 10er-Karten, feste Arbeitsplätze, vollmöblierte Büroräume, ein Seminarraum, Spartarife, Zugang 24/7 für feste Coworker und usw. Wunderbar ist natürlich auch, dass es einen kostenlosen Probetag gibt, genauso wie einen Schnuppermonat für 99 Euro.

Von allen Coworking Spaces, die ich direkt in Leipzig sehen oder wir im Internet ausfindig machen konnten, hat mir die Raumstation mit ihrem Konzept am besten gefallen. Preislich günstig und von der Umsetzung eines offenen und kommunikativen Arbeitens sehr gut gelungen, bin ich jetzt ein großer Fan von diesem Space. Hier mietet man die kostbare Wohlfühlatmosphäre gleich mit. Nicht nur aufgrund der sonnigen Dachterrasse oder dem köstlichen Kantinenessen, werden Tobias und ich hier sicherlich gerne wieder einmal arbeiten.

Unser Geheimtipp: Nach der Lektüre des Textes wohl noch alles andere als ein Geheimnis, aber man sollte unbedingt in Kantine3 einmal zu Mittag gegessen haben.

Im Villenviertel: CoFab Dresden

Vorbei an Villen, schönen Baumalleen und einem einladenen Park, kommt man zum Coworking Space CoFab im Dresdner Stadtteil Striesen. Das Hinterhaus, in dem sich das CoFab befindet, erinnert an den alten Glanz dieses Viertels. Das CoFab selbst steht dem in nichts nach, ist aber wesentlich moderner eingerichtet. Schickes Holzparkett, gläserne Wände und viel Platz sind charakteristisch für das CoFab.

Zur linken und rechten Seite des Flurs befinden sich die Büros, der Konferenzraum und die Küche. Trotz der Urlaubszeit in Deutschland ist das Coworking Space gut besucht. Die meisten sind Dauermieter, Kati und ich sind an dem Tag die einzigen Tagesgäste. Dies ist allerdings in deutschen Coworking Spaces nicht ungewöhnlich. Wie es in anderen Ländern aussieht, versuchen wir unter anderem auf dieser Reise herauszufinden.

Die schicke Einrichtung hat seinen Preis. Die Tagesmiete beträgt 20 Euro, einen kostenlosen Probetag gibt es nicht. Die Woche kostet 80 Euro, der gesamte Monat 250 Euro. Kleinere Gadgets, wie Rollcontainer oder der Konferenzraum, können dazu gebucht werden. Im Vergleich mit dem gemeinnützigen Dresdner Coworking-Verein Cloudsters merkt man, dass Coworking hier in erster Linie ein Geschäft und weniger Philosophie ist. Dementsprechend gut ist auch der Service. Im Eingangsbereich sitzt eine Office-Managerin, die einem schnell weiterhilft. Uns wurde nahezu jeder Wunsch von den Lippen abgelesen.

Das CoFab mit seiner sehr professionellen Arbeitsumgebung ist vielleicht nicht etwas für jeden Coworker. Zwar essen die Coworker zusammen Mittag, einen weiteren Austausch konnten wir aber nicht beobachten. Diese Arbeitsatmosphäre kann ab und zu gut sein, uns fehlte aber die Interaktion und der kreative Austausch untereinander, wie man ihn in anderen Coworking Spaces erleben kann. Ein sehr persönliches Fazit, aber für uns ist das CoFab nicht geeignet.

Unser Geheimtipp: Gleich ums Eck befindet sich der Hermann-Seidel-Park, in der man der Arbeit schnell entrinnen kann, um den Kopf frei zu bekommen.

Coworking an der Elbe: Cloudsters Dresden

Nur wenige Fußminuten von der Elbe entfernt, liegt das Dresdner Coworking Space Cloudsters. Es war die erste Wahl von Kati und mir, denn es liegt im Stadtteil Äußere Neustadt, dem wohl coolsten Teil Dresdens. Hier gibt es viele Cafés und Kneipen, in denen man es sich vor und nach der Arbeit gut gehen lassen kann.

Das Coworking Space ist im vierten Stock eines Hinterhaus in der Bautzner Straße. Herzstück ist eine riesige, lichtdurchflutete Halle, in der ungefähr 8-10 Coworker Platz finden. Es gibt auch einzelne Büros zu mieten, die sich an den beiden Enden der Haupthalle befinden, so wie einen Konferenzraum. Das gesamte Mobilar ist beweglich, so dass der Raum für verschiedene Events umgestaltet werden kann.

Cloudsters versteht sich selbst aber nicht nur als ein Raum, in dem gearbeitet werden kann. Viel mehr möchte dieses Coworking Space eine Plattform sein, die die Menschen miteinander vernetzt und die Möglichkeit lokaler Wertschöpfung und gesellschaftlichen Engagements bietet. Cloudsters richtet sich an Freelancer und Startups, aber auch an Studierende und Vereine.

Deshalb ist das bevorzugte Bezahlmodell auch nicht die Miete eines Platzes, sondern die Fördermitgliedschaft im Cloudsters-Verein. Für 20 Euro im Monat können Mitglieder ein- bis zweimal pro Woche im Cloudsters arbeiten. Flexible Arbeitsplätze kosten 99 Euro im Monat, der eigene Tisch 199 Euro. Die Preise für Organisationen variieren.

Freitags kann im Cloudsters kostenlos gearbeitet werden, weshalb Kati und ich sicher ab jetzt unsere Wochenendausflüge nach Dresden schon einen Tag früher starten werden und Freitags noch im Cloudsters arbeiten, bevor wir es uns an der Elbe gut gehen lassen.

Unser Geheimtipp: In der Nähe des Coworking Space liegt das Café “England, England“, in dem wir am liebsten jeden Morgen frühstücken würden.